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Erneuerbar - Effizient - Energiesparend: Die Energiepolitik von morgen
vom 08.09.2003
Miesbach, Bayern. Fraktionsklausur von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 03. - 05.09.2003, Beschluss:
Wir wollen Deutschland zukunftsfähig machen. Dazu brauchen wir
Innovationen.
Dem Energiesektor kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Wir müssen
unsere Energieversorgung grundlegend modernisieren und weiter
umbauen, um sie effizient, sicher und umweltverträglich zu machen. In
den nächsten 25 Jahren
gehen altersbedingt und aufgrund des Atomausstiegs ca. 40 % unseres
Kraftwerkparks vom Netz. Daher müssen heute die Weichen für die
Energieversorgung von morgen richtig gestellt werden. Das
Investitionsfenster muss für eine Innovationsoffensive genutzt werden.
Die Energiewende ist Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und
globale Gerechtigkeit
Der Sommer 2003 hat es noch uns einmal vor Augen geführt: Auf der
Basis fossiler und nuklearer Kraftwerke wird es zukünftig keine
Versorgungssicherheit mehr geben. Der "Black-out" in den USA und die
Engpässe bei der Energieversorgung v.a. in Südeuropa machen deutlich
wie verletzlich diese Energieversorgungssysteme sind. Nur mit einer
grundsätzlich Neuausrichtung des Energiemixes können die zukünftigen
Herausforderungen bestanden werden. Spätestens 2050 werden nur
diejenigen Volkswirtschaften international wettbewerbsfähig sein, die
mindestens die Hälfte ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien
und den Rest aus hocheffizienten Umwandlungstechniken beziehen.
Manche Entwicklungsländer verwenden 80 % ihrer Devisen für
Energieimporte. Eine Chance auf Entwicklung haben sie nur, wenn sie
auf Basis von Erneuerbaren Energien selbst effizient Energie
produzieren.
Die von CDU/CSU und IGBCE geforderte Wiederbelebung der Atomkraft ist
rückwärtsgewandt und ignoriert neben den Risken und Atommüllproblemen
die Tatsache, dass in Wettbewerbsmärkten weltweit kein Unternehmen
auf eigene Rechnung in diese Technik investiert.
Bis 2020 Treibhausgase in Deutschland um 40 % reduzieren
Wir wollen die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahre
2020 um 40 % - und parallel dazu in der EU um 30 % - gegenüber 1990
reduzieren. Dies
kann nur gelingen, wenn wir die eingeleitete Energiewende weiter
konsequent
vorantreiben. Die Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und Bündnis
90/Die GRÜNEN aus dem Jahre 2002 bildet hierzu eine sehr gute
Grundlage und gibt den Unternehmen Planungssicherheit für die
Zukunft. Damit kann die Neuausrichtung der deutschen
Energieversorgungsstrukturen erreicht werden. Das nützt dem Klima und
schafft gleichzeitig bis zum Jahre 2020 hunderttausende neue
Arbeitsplätze.
Der neue Energiemix: Erneuerbar, Effizient und Energiesparend
Eine zukunftsfähige Energiepolitik hat drei zentrale Bausteine:
- Erneuerbare Energien ausbauen
Das Gesetz zur Förderung der Erneuerbaren Energien (EEG) hat einen
Boom ausgelöst und zehntausende neue Arbeitsplätze geschaffen.
Während andere Bereiche stagnierten, wurde in bislang unbekanntem
Ausmaß in Technologien zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
investiert. Die Kosten wurden gesenkt und die Techniken in Richtung
Marktfähigkeit weiterentwickelt. Kein
Land der Welt produziert z.B. mehr Strom aus Windenergie als
Deutschland. Die Einspeiseregelung hat sich bewährt, während
alternative Modelle (Ausschreibung und Subventionen) in anderen
Ländern gescheitert sind.
Die Potentiale von Wind, Wasser, Sonne, Biomasse und Erdwärme sind
noch lange nicht ausgeschöpft. Um die Vorteile der erneuerbaren
Energien konsequent weiter zu nutzen hat das Bundesumweltministerium
einen Vorschlag
für eine Novelle des EEG vorgelegt. Damit wird die Förderung in
Zukunft noch
zielgenauer und damit kostengünstiger. Die Degression, eine Absenkung
der Einspeisevergütung mit fortschreitender Zeit, wird durchgängig
eingeführt. In den kommenden Jahren ist damit ein kräftiger Zuwachs
insbesondere bei der
Biomasse, der Geothermie und vor allem bei den Wind-Offshore-Anlagen
zu erwarten.
Auch im Wärmemarkt und im Treibstoffsektor müssen in Zukunft die
Potentiale
der erneuerbaren Energien ausgeschöpft werden.
- Investitionen in Effizienz belohnen
Ein weiterer wesentlicher Baustein der Energiewende ist die
Steigerung der Energieeffizienz. Vom Kühlschrank bis zum
Großkraftwerk muss gelten: Wer bereit ist in effiziente Technologien
zu investieren, muss belohnt werden. Zukunftsweisende Investitionen -
wie das hocheffiziente GuD-Kraftwerk in Hürth-Knappsack - dürfen
nicht weiter blockiert werden. Auch die deutschen Energieversorger
sollten endlich in diese hochmodernen Technologie investieren, um den
Anschluss an die internationale Entwicklung nicht zu verpassen.
Durch die freiwillige Selbstverpflichtung zum Ausbau der effizienten
Kraftwärmekopplung wird voraussichtlich nicht das erreicht, was wir
uns versprochen haben. In diesem Bereich sind weitere Anstrengungen
dringend notwendig.
Mit der konsequenten Förderung der Brennstoffzelle stoßen wir einen
Markt an, der richtungsweisend für die internationale Entwicklung
sein wird. Besondere Effizienzanreize werden durch die Einführung des
Emissionshandels
in Deutschland entstehen. Die Tonne CO-2 erhält erstmals einen Preis.
Energieeinsparung und Klimaschutz werden sich lohnen. Bei der
Zuteilung der
Emissionsrechte ist die Minderungszusage der Deutschen Wirtschaft die
Basis.
Der Emissionshandel begrenzt die Gesamtmenge der zulässigen
Emissionen und überlässt dem Markt die Erschließung der effizientesten
Minderungspotentiale.
- Energie sparen
Eine moderne Energiepolitik darf sich nicht auf die Angebotseite
beschränken, sondern muss parallel den Verbrauch der Energie im Fokus
haben.
Die Einführung der Ökosteuer, die Novelle der Energieeinsparverordnung
und
das Altbausanierungsprogramm waren hierbei wegweisende Instrumente.
Insbesondere im Verkehr hat die Ökosteuer das Verbraucherverhalten
deutlich
beeinflusst. Die bestehenden Ansätze wollen wir ausbauen und z.B.
durch Energie-Contracting, eine Förderung von Passivhäusern, eine
Verbrauchskennzeichnung von elektrischen Geräten und Kraftfahrzeugen
und Effizienzstandards ergänzen.
Durch Dezentralität und Wettbewerb die Versorgung sichern
Moderne Energieversorgungsstrukturen werden sich dem dezentralen
Verbrauch der Energie anpassen müssen. Die gekoppelte Produktion von
Wärme und Strom an vielen dezentralen Standorten ist effizienter und
bietet durch eine entsprechende Vernetzung ein höheres Maß an
Versorgungssicherheit (virtuelles Kraftwerk).
Bei der energiepolitischen Auseinandersetzung geht es einigen großen
Konzernen um nichts anderes als den Erhalt ihrer Marktmacht. Sie
versuchen neue Anbieter am Marktzutritt zu hindern und blockieren
daher zukunftsweisende Investitionen. Deshalb setzen wir uns für die
Schaffung einer schlagkräftigen Wettbewerbsbehörde ein. Alle
Marktteilnehmer sollen einen diskriminierungsfreier Zugang zu den
Netzen erhalten. Hierzu sind Festlegungen im Vorfeld (Ex-ante) wie
auch Kontrollen im nachhinein (ex-post) dringend erforderlich.
Energieforschung ausbauen
Wir müssen Forschung und Entwicklung in den Bereichen erneuerbare
Energien,
Energieeffizienz und -einsparung wesentlich stärker als bisher
fördern. Dafür müssen wir innerhalb der Energieforschung dort die
Schwerpunkte setzen. Die Forschungsmittel für erneuerbare Energien,
Energieeffizienz und -einsparung dürfen nicht gekürzt werden. Die
Energieforschung muss einen
höheren Anteil der Forschungsförderung insgesamt bekommen. Hierzu
kann die Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung auf den
innerdeutschen Streckenanteil internationaler Flüge einen Beitrag
leisten.
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