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Offener Brief von Ingo Kolmorgen an Botschafter Ma zur Situation in Tibet
vom 17.03.2008

Neuss. Exzellenz, sehr geehrter Herr Botschafter Ma,

mit Betroffenheit und Unverständnis müssen wir, die Mitglieder des Vorstandes von Bündnis 90/Die GRÜNEN im Rhein-Kreis Neuss die Nachrichten aus Tibet zur Kenntnis nehmen, in denen berichtet wird, dass es zu Demonstrationen gegen die Zentralregierung in Peking kommt. Unsere Betroffenheit resultiert daher, dass diese Demonstrationen von Seiten der Sicherheitskräfte der Volksrepublik China nicht deeskalierend begegnet werden, sondern vielmehr mit dem Einsatz von Gewalt beantwortet werden. Unser Unverständnis kommt aus der Tatsache, dass die Regierung der Volksrepublik China offensichtlich nicht bereit ist, mit den Demonstranten in einen friedlichen Dialog zu treten.

Insebsondere im Hinblick auf die Ausrichtung der Olympischen Spielen, deren Geist auch die tatsächlichen Handlungen der Regierung der Volksrepublik China erfüllen sollte, ist es für uns unverständlich, warum nicht die Gründe, die zu den Demonstrationen führen, wahrgenommen und in eine kritische Überprüfung der Situation in Tibet münden.

Wir bitten Sie höflich, die Regierung Ihres Landes dahingehend zu informeiren, dass die Mitglieder unserer Partei das Vorgehen der Regierung der Volksrepublik China zu bewerten wissen und es nicht hinnehmen werden, dass Gewalt von staatlichen Institutionen gegen Demonstraten, zumal diese friedlich sind, hinzunehmen. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaftsordnung in der Bundesrepublik Deutschland und gewährleistet das friedliche Zusammenleben aller Menschen in unserem Land. Ein Wert, den die chinesische Regierung auch für das eigene Land und die Menschen in diesem anstreben sollte.

Wir bitten Sie höflich, sehr verehrter Herr Botschafter Ma, unsere Sorge und unsere Trauer an die Verantwortlichen in der Regierung Ihres Landes weiterzugeben und diese dringend zu bitten, ihr Vorgehen in Tibet einer kritischen Bewertung zu unterziehen und in einen Dialog mit den Demonstranten zu treten.

Wir hoffen, keine Fehlbitte geleistet zu haben und übermitteln die besten Wünsche für einen friedliche Dialog mit den Menschen in Tibet.

Mit freundlicher Empfehlung

Ingo Kolmorgen Vorstandssprecher

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