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Studie verdeutlicht Handlungsbedarf bei Kinderbetreuung
vom 08.11.2006
Berlin. Zur heutigen Vorstellung der DJI-Studie über Kinderbetreuung erklärt Ekin Deligöz, kinder- und familienpolitische Sprecherin:
Einmal mehr wird deutlich: das Betreuungsangebot vor allem für kleine Kinder reicht nicht aus. Trotz einer leichten Ausbaudynamik sind deren Betreuungsquoten in Westdeutschland nach wie vor auffallend gering. Die Förderleistung in der Kindertagesbetreuung wird von den Eltern als verbesserungswürdig eingestuft. Insgesamt bestätigt sich die Einschätzung vieler Fachleute: Statt vieler Sonntagsreden benötigt Deutschlands Betreuungssystem verbindliche Ausbau- und Verbesserungsvorgaben.
Die erhobenen Daten des DJI zeigen einmal mehr den großen Ost-West-Kontrast im Angebot für Kleinkinder. Das zweite und dritte Kindergartenjahr wird jedoch bundesweit fast vollständig in Anspruch genommen, Kinder mit Migrationshintergrund tun dies nur leicht unterdurchschnittlich. Etliche Eltern müssen sich mit privaten, wenig verlässlichen Betreuungsarrangements behelfen. Nur einkommensstarke Familien können beim Rückgriff auf einen solchen Betreuungsmix regelmäßig privat bezahlte Kräfte nutzen. Der Bedarf an weiteren Betreuungsangeboten ist offenkundig vorhanden.
Offenbar ist der Elternbeitrag für die Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuung von weniger großer Bedeutung als vielfach in der politischen Debatte unterstellt. Zahlreiche andere Faktoren sind hier zu berücksichtigen. Dies bestätigt unsere Position, Investitionen in mehr Plätze und bessere Qualität prioritär gegenüber der Beitragsfreiheit anzugehen.
Gerade weil Eltern grundsätzlich zu stärkerer, subjektiver Zufriedenheit mit dem Betreuungsangebot ihrer Wahl neigen, fällt die Bewertung der Förderleistung gegenüber Fragen der Betreuung und Versorgung des Kindes merklich schlechter aus. Hier bestätigen Eltern das, was von Fachleuten längst angemahnt wird, nämlich eine bessere individuelle Förderung und Bildung gerade im Elementarbereich.
Wir haben dezidierte Vorschläge zum Ausbau einer hochwertigen Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur unterbreitet. Dazu gehören die Ausweitung des Rechtsanspruchs auf Betreuung sowie die Einführung einer Kinderbetreuungskarte, durch die der Bund über Zahlungen an die Eltern die Regelfinanzierung der Betreuung massiv unterstützt. Wir schlagen ferner ein höheres Ausbildungsniveau für Erzieherinnen und Erzieher sowie verbindliche Qualitätsstandards vor.
( Pressemitteilung Nr. 01412/2006 der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen )
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