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Grüne: Reaktorforschung in Jülich sofort einstellen
vom 08.08.2006

Aachener Nachrichten - Nord. Düsseldorf. Nach dem Kurzschluss-Störfall in einem schwedischen Kernkraftwerk haben die Grünen die nordrhein-westfälische Landesregierung aufgefordert, sich auf "keine neuen Atom-abenteuer" einzulassen und die Reaktorforschung im Forschungszentrum Jülich (FZJ) umgehend einzustellen.

Reiner Priggen, Fraktionsvize im Landtag, wirft den Regierungsparteien CDU und FDP "romantisierende Atomspinnerei" vor. Es sei unverantwortlich, im Forschungszentrum wertvolle Gelder für "tote Technologie zu verschleudern".

Von unserem Korrespondenten Johannes Nitschmann

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, Reiner Priggen (Aachen), erklärte gestern gegenüber den "Nachrichten", die beiden Düsseldorfer Regierungsparteien CDU und FDP betrieben "romantisierende Atomspinnerei". In einem "nostalgischen Revival" wolle die Landesregierung den in Jülich entwickelten Kugelhaufenreaktor wiederbeleben. Dabei sei diese Atomtechnik mit dem aufgrund seiner Störanfälligkeit stillgelegten Versuchsreaktor in Hamm-Uentrop bereits vor Jahrzehnten "grandios gescheitert", sagte Priggen. Alleine der vollständige Rückbau des Versuchsreaktors in Jülich, der derzeit immer noch andauere, verschlinge öffentliche Mittel von mindestens 500 Millionen Euro.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) die Ausstiegsentscheidung des Jülicher Forschungszentrums aus der Kernenergieforschung über die Vertreter des Landes im Aufsichtsrat hatte blockieren lassen. Das Land NRW hält zehn Prozent der Anteile am FZJ, der Bund die weiteren 90 Prozent. "Pinkwart versucht das FZJ zur Erhaltung und sogar zum Ausbau der Atomforschung zu zwingen", schrieben Mitarbeiter des Forschungszentrums in einem an die Medien verbreiteten Brief. Der grüne Fraktions-Vize Priggen nannte die Haltung von Pinkwart "absurd". Als Liberaler müsse der Minister eigentlich an der "Wirtschaftlichkeit" von Forschung interessiert sein. "Der Markt hat das Todesurteil über die Atomenergie längst gesprochen", sagte Priggen. Die Nukleartechnologie sei nicht nur wegen ihrer gravierenden Sicherheitsrisiken "ohne ökonomische Perspektive".

Priggen warf Pinkwart vor, wertvolle Forschungsgelder in Jülich für eine "tote Technologie zu verschleudern". Längst hätten auch die Mitarbeiter des FZJ erkannt, dass die Reaktorforschung in einem ausstiegsorientierten Land wie der Bundesrepublik keinen Sinn mache und Investitionen in eine zukunftsweisende Energieforschung blockiere.

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