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Viel Lärm um nichts? NRW-Verkehrsminister Horstmann möchte den Flughafen Düsseldorf ausbauen
vom 18.07.2003
Kommentar von Stefan Lauscher, WDR 2
"Was auch immer Axel Horstmann geritten haben mag, jetzt, ohne Not und
derart massiv den Ausbau des Düsseldorfer Flughafens zu fordern: Zumindest
eines - nämlich die Gefechtslage - ist damit klar. Kapazitäts-Erweiterung
heißt für die Landesregierung 55 statt 38 Starts und Landungen pro Stunde.
Zweibahn- statt Einbahnkapazität, 160- oder 170.000 Flüge im
Halbjahr statt bislang knapp 100.000.
Im Klartext - erstens - heißt das: Fliegen volles Rohr. Ohne
Rücksicht auf Verluste. Die ohnehin lärmgeplagten rund 100.000
Menschen in den An- und Abflugschneisen - jede Minute ein Düsenjet
über dem Wohnzimmer, die Fenster nicht mehr öffnen, die Terasse nicht mehr nutzen, Lärm von morgens 6
bis abends 23 Uhr: Sie haben halt Pech gehabt.
Das ist - mit Verlaub - zynisch. Und: Das ist auch die bewusste
Verabschiedung von einer wichtigen Aufgabe, die Politik wahrzunehmen
hat: Nämlich einen Ausgleich der Interessen herzustellen.
Zweitens: Axel Horstmann verbindet seine Vorstellungen mit einem
Gesprächsangebot, das im Ernst keines ist. Er wolle mit den
Vertragspartnern des Angerlandvergleiches reden, sagt er. Aber nicht länger als ein
halbes Jahr. Wenn dann keine Einigung da ist, wird geklagt.
Das ist - und genau so wird es in den Umlandstädten auch empfunden -
nicht mehr und nicht weniger als ein Ultimatum. Vielleicht ist es ja
reizvoll, die Bürgermeister der Konkurrenzpartei so kurz vor der Kommunalwahl noch
mal richtig vorzuführen.
Tatsächlich aber zerstört Horstmann damit alle gerade erst
aufgenommenen, nach 30 Jahren des Misstrauens noch sehr zarten
Gesprächsfäden zwischen Flughafen und Ausbaugegnern. Mit Hauruck und
Brechstange schafft man kein Vertrauen.
Und drittens: Eine solche Politik des
'Ich-will-alles-und-zwar-sofort' hat mit der Wirklichkeit nichts zu
tun. Seit Axel Horstmann Verkehrsminister ist, hat er bereits
dreimal derartig großspurig auf den Putz gehauen, und musste dann
hinterher ziemlich kleinlaut beidrehen. Beim Metrorapid, der
gescheitert ist. Beim Gaskraftwerk in Hürth, das nun doch gebaut
werden soll. Und beim Autobahnbau, der eine Koalitionskrise
ausgelöst hat, die letztlich zugunsten der Grünen ausgegangen ist.
Axel Horstmanns Maximalprogramm (alles fliegen was technisch möglich
ist) mag ihm ein paar fette Schlagzeilen bescheren. Es mag ihm auch
den Beifall derer einbringen, die 'klare Kante fahren' oder
'Bremsklötze weghauen' für den ultimativen Politikstil halten. Aber
Ankündigungen wie diese schüren nur
Erwartungen, die keine Regierung erfüllen kann. Und sie nähren Frust
und Enttäuschung bei denen, die das Vertrauen in die Politik sowieso
schon verloren haben.
Mit einer den Interessen des Flughafens wie denen der Anlieger
gleichermaßen gerecht werdende Lösung hat der Vorstoß des Ministers nichts zu tun.
Axel Horstmann wird mit seinen Vorstellungen scheitern. Spätestens
vor Gericht, bestimmt aber bei den betroffenen Menschen."
( WDR 2 Der Tag heute: Standpunkt - Freitag, 18. Juli 2003 )
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